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den luxemburgischen Räten Gilles de Busleyden und Henri Hoecklin die Vollmacht,
mit René über die Auslösung Henris zu verhandeln
96
. Am 8. September 1479 kam
Henri schließlich gegen die enorme Summe von 22 000 fl.rh. frei. Um sie aufbringen
zu können, wechselte er mit Zustimmung Maximilians in französische Dienste, ohne
deshalb aber das Vertrauen des Habsburgers zu verlieren. So ließ ihn Maximilian
1483 durch Claude in die Rückeroberungspläne für die Freigrafschaft einweihen
97
.
Claude ist zuletzt 1503 im Dienst des Hofes belegt, als er im Januar zusammen mit
Wolfgang von Fürstenberg und dem Propst der Kathedrale von Utrecht Philipp den
Schönen an der spanischen Grenze in Empfang nahm, um ihn in die Freigrafschaft
und das Reich zu geleiten
98
.
IV. Der Briefwechsel
Brief und Briefwechsel waren als Gattung der literarischen Produktion und geschäft-
liches Kommunikationsmittel im späten Mittelalter bereits vielfältig differenziert.
Neben Sammlungen von als stilistisch und literarisch vorbildlich geltenden Briefen,
von tatsächlich ursprünglich versandten wie von Kunstprodukten, die sich lediglich
der äußeren Form des Briefes bedienten, existierte der Geschäftsbrief in den verschie-
densten Ausformungen
99
.
Giles Constable wies 1976 auf die Schätze hin, die das Studium spätmittelalterli-
cher Briefe zutage fördern würde, und noch Franz Joseph Schmale mußte in seinem
einschlägigen Artikel im Lexikon des Mittelalters feststellen, daß die »Geschichte
des Briefes ... noch nicht geschrieben« sei. Wenn auch diese übergreifende Darstel-
lung weiterhin aussteht, hat doch die Erforschung des spätmittelalterlichen Brief-
wesens in den letzten Jahren durch die Arbeiten an den Regesten Friedrichs III.
durch Heinrich Koller und Paul-Joachim Heinig und durch die Regesten des Brief-
wechsels Karls des Kühnen durch Werner Paravicini und seine Mitarbeiter einen er-
heblichen Aufschwung genommen. Derzeit forschen in Greifswald Karl-Heinz
Spieß und seine Mitarbeiter zum Korrespondenzwesen des spätmittelalterlichen
Hochadels mit einem Schwerpunkt auf den Markgrafen von Brandenburg
100
.
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96 Debry, 1992, S. 243. Henri Hoecklin, 1474 Schreiber des Rates von Luxemburg, heiratete die Tochter
des Gilles de Busleyden, Witwe des Claes Haltfast, 1498 Schatzmeister und Garde des chartes Luxem-
burgs, starb 1517; Van Werveke, 1889, S. 291. Gilles de Busleyden erhielt 1472 von Karl ein Wappen,
er war Kammerherr, seit 1473 Generalprokurator am Rat von Luxemburg und starb 1499; H. Trib-
out de Morembert, La famille de Busleyden. Ses illustrations au XVI
e
siècle, in: Jules Mersch (Hg.),
Biographie nationale du pays de Luxembourg depuis ses origines jusqu'à nos jours, 13, Luxemburg
1975, S. 125­127; und Debry, 1992, S. 243 Anm. 192.
97 Debry, 1992, S. 228 Anm. 125.
98 Ibid.,
S. 236­237.
99 Franz
Josef
Schmale, »Brief, Briefliteratur, Briefsammlungen. I. Allgemein«, in: LexMA II, 1983,
Sp. 648.
100 Heinz-Dieter Heimann, Zur Einleitung. Mittelalterliches Briefwesen und moderne Schreibmedien-
kultur ­ Praxis und Tagungsthematik, in: Ders., Ivan Hlavácek (Hg.), Kommunikationspraxis und
Korrespondenzwesen im Mittelalter und in der Renaissance, Paderborn u. a. 1998, S. 11­12. Franz
Josef Schmale, »Brief, Briefliteratur, Briefsammlungen. IV. Lateinisches Mittelalter [1] Brief«, in:
LexMA II, 1983, Sp. 656. Einen Überblick über den Forschungsstand gibt Nolte, 2000a, S. 180­183;
Karl-Heinz Spiess, Zum Gebrauch von Literatur im spätmittelalterlichen Adel, in: Ingrid Kasten,
Werner Paravicini, René Pérennec (Hg.), Kultureller Austausch und Literaturgeschichte im Mittel-
EINFÜHRUNG